Mit dem Präsidentenwechsel im Zentralverband geht auch eine Überprüfung der politischen Tätigkeit einher. Zu Beginn des neuen Geschäftsjahres und im Hinblick auf den Wechsel der Präsidentschaft lag daher der Fokus auf der Ausdifferenzierung des Workflows für politische Entscheidungen.
Eine der Haupterkenntnisse aus der Analyse der Verbandstätigkeit im Frühjahr 2024 war, dass der Verband in der Öffentlichkeit politisch präsenter sein soll und der Zentralvorstand besser eingebunden werden muss. Damit soll eine bessere Abstützung der politischen Tätigkeit des Verbandes in den Sektionen und insgesamt eine breitere Akzeptanz im Verband für die Öffentlichkeitsarbeit in politischen Themen erreicht werden. Gerade bei Vernehmlassungen, die nicht nur eine fachliche Antwort verlangen, sondern bei denen es auch um eine politische Stellungnahme geht, ist dies notwendig.
Intensivere Öffentlichkeitsarbeit
Bisher hat sich der Verband daran gehalten, nur zu solchen Vorlagen Stellung zu nehmen, die entweder die Treuhandbranche direkt betreffen, oder zu denen TREUHAND|SUISSE einen fachlichen Beitrag leisten kann. Das soll auch weiterhin so bleiben.
Das politische Gewicht eines Verbandes richtet sich jedoch danach, wie stark dessen Stellungnahmen tatsächlich wahrgenommen werden. Je präsenter der Verband in der Öffentlichkeit ist, desto mehr Gewicht hat er in den Verhandlungen mit den Verwaltungseinheiten und den politischen Behörden. Wie ernst man genommen wird, zeigt sich zum Beispiel auch daran, ob und wie oft man zu «Runden Tischen» eingeladen wird. Werden die Experten von TREUHAND|SUISSE bei Steuer- und Revisionsfragen von den Behörden häufig beigezogen, kann auf bei grossen Gesetzesvorlagen oft nur in enger Zusammenarbeit mit dem Schwesterverband EXPERTsuisse und anderen Branchenorganisationen Wirksamkeit erzielt werden. Ein Beispiel dafür ist das Transparenzgesetz, welches sich aktuell in der parlamentarischen Behandlung befindet.
Breiter abgestützte Entscheidfindung
Eine grössere Öffentlichkeitsarbeit oder die Kooperation mit anderen Verbänden verlangt indes nach einer soliden Abstützung im Verband. Heute ist TREUHAND|SUISSE vor allem durch zwei Dokumente auf der Website präsent: den POLIT|FLASH, der sich vor den Sessionen von National- und Ständerat mit Empfehlungen zu ausgewählten Geschäften an die eidg. Parlamentier richtet, und den Antworten zu Vernehmlassungen, bei den das Fachwissen unserer Institute gefragt ist. Bei Letzteren sind manchmal auch politische Abwägungen nötig, die über die rein fachtechnische Sicht hinausgehen. Bei heiklen bzw. politisch besonders umstrittenen Vorlagen, welche die Branche direkt betreffen, soll deshalb eine Diskussion stattfinden, am besten auf der Stufe Zentralvorstand, damit die Sektionspräsidenten die Diskussion auch in die Sektionen tragen können. Das gilt insbesondere bei Parolenfassungen, was bislang aber noch nie der Fall war. Bei einem Referendum gegen das Geldwäschereigesetz könnte dies jedoch erforderlich werden.
Stefan Wyer, Leiter Ressort Public Affairs
Legende: Der angestrebte «Workflow» für politische Entscheidungen: Das Ressort Public Affairs bereitet zusammen mit der Geschäftsstelle und mit Unterstützung der Institute die Entscheidungsfindung vor. Je nach Brisanz und Gewicht der Vorlagen entscheiden Präsident, Geschäftsleitung oder Zentralvorstand über die Haltung des Zentralverbandes und über die Kommunikation.